Sehr geehrte Damen und Herren
Die Liberal-Demokratische Partei Basel-Stadt (LDP) bedankt sich für die Gelegenheit, im Rahmen des Vernehmlassungsverfahrens zur geplanten Optimierung des Tramnetzes Basel Stellung nehmen zu können.
1. Grundhaltung: Ausgewogene Netzoptimierung statt unüberlegter Schnellschüsse
Ein leistungsfähiger, pünktlicher und wirtschaftlicher öffentlicher Verkehr ist ein zentraler Standortfaktor für den Kanton Basel-Stadt. Das Ziel, die stark belastete Innenstadtachse zwischen Aeschenplatz, Bankverein, Barfüsserplatz, Marktplatz und Schifflände zu entlasten und den Trambetrieb zu stabilisieren, ist grundsätzlich zu begrüssen. Eine Reduktion der überlagerten Linien kann die Verspätungsanfälligkeit reduzieren, den Verkehrsfluss verbessern und die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum steigern.
Die LDP lehnt die vorliegenden Vorschläge daher nicht per se ab. Positiv ist hervorzuheben, dass mit der Umschichtung von Linien ohne teure bauliche Massnahmen eine effizientere Nutzung der bestehenden Infrastruktur angestrebt wird. Dennoch sieht die LDP bei der konkreten Ausgestaltung gravierende Schwachstellen, operative Risiken und Nachteile für verschiedene Fahrgastgruppen, die vor einer Umsetzung zwingend ausgeräumt werden müssen.
Die LDP begrüsst es zwar, dass mit der Umschichtung von Linien grundsätzlich eine effizientere Nutzung der bestehenden Infrastruktur angestrebt wird, ohne sofort neue Gleise zu verlegen. Eine reine Verlagerung von Engpässen darf jedoch nicht als Vorwand dienen, um später teure und betrieblich unrentable Ausbauprojekte zu rechtfertigen. Der Basler ÖV muss verlässlich, wirtschaftlich und im Interesse der hiesigen Steuerzahlenden gestaltet werden.
2. Bedenken und Schwachstellen
Es stellen sich gewichtige Fragen bezüglich Fahrgastkomfort, Netzstabilität und Transparenz:
a) Betriebsrisiko durch "Monster-Linien" (Linien 1 und 3)
Die Schaffung sehr langer Durchmesserlinien birgt erhebliche betriebliche Gefahren. Die neue Linie 3 soll von Saint-Louis durch die Basler Innenstadt bis nach Pratteln verkehren. Die Akkumulation von Verspätungen an Grenzübergängen, stark belasteten Knotenpunkten und langen Streckenabschnitten kann die Pünktlichkeit auf der gesamten Linie gefährden. Sollten zur Sicherung der Fahrplanstabilität zusätzliche Fahrzeuge oder Zeitreserven benötigt werden, steigen der Personal- und Materialaufwand, was die behauptete Kostenneutralität zunichtemachen würde. Vor der Umsetzung sollte deshalb überzeugend dargelegt werden, wie die Fahrplanstabilität gewährleistet wird.
b) Verlust von Direktverbindungen und Hürden für weniger mobile Menschen
Die Entlastung der Innenstadt wird mit dem Verlust etablierter Direktverbindungen erkauft. Fahrgäste aus Birsfelden verlieren die direkte Anbindung an den Marktplatz und den Barfüsserplatz. Umstiege bedeuten längere Wege, Wartezeiten und ein erhöhtes Risiko für Anschlussverluste. Dies trifft insbesondere ältere Menschen, Familien mit Kinderwagen sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität. Dieser Punkt wiegt umso schwerer, als Ende 2025 erst rund 43 Prozent der Haltestellen im Kanton Basel-Stadt vollständig hindernisfrei umgebaut waren.
c) Ungelöste Knotenbelastungen und Detailfragen zur Linienführung
- Linie 1 und Claraplatz: Es ist zu prüfen, ob die Führung der Linie 1 über den Claraplatz anstelle der Umfahrung via Riehenring einen höheren Nutzen für die Bevölkerung im Klybeck erbrächte, da der Claraplatz ein zentraler Einkaufs- und Umsteigeknoten ist.
- Engpass Wettsteinplatz: In den Stosszeiten führen künftig drei Linien über die Wettsteinbrücke und den Wettsteinplatz. Hier drohen neue Nadelöhre und Zielkonflikte. Bereits heute ist die Situation am Wettsteinplatz und beim Kunstmuseumkreisel für alle Verkehrsteilnehmenden alles andere als optimal. Aus Sicht der LDP dürfen daher keine weiteren Linien über die Wettsteinbrücke geführt werden. Mit drei Linien ist die maximale Kapazität erreicht.
- Linie 17: Da die Linie 17 an der Schifflände endet, entfällt die Direktverbindung aus dem Leimental ins Kleinbasel. Es gilt sicherzustellen, dass die Bedürfnisse des Kleinbasels gewahrt bleiben.
3. Die unlautere Salamitaktik und einseitige Tram-Fixierung des Bau- und Verkehrsdepartements
Die LDP verschliesst sich betrieblichen Optimierungen keineswegs, verlangt jedoch eine ehrliche und transparente Politik. Die vorliegende Netzoptimierung ab 2027 erscheint als Bestandteil einer unlauteren Salamitaktik des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) unter Baudirektorin Esther Keller.
Anstatt der Bevölkerung, dem Gewerbe und dem Grossen Rat reinen Wein einzuschenken und eine voll transparente Gesamtschau über die langfristige Verkehrsplanung vorzulegen, werden strategische Projekte scheibchenweise präsentiert. Nach dem Projekt Margarethenverbindung folgen nun schrittweise Vorbereitungen für strittige Neubaustrecken am Clara- und Petersgraben.
Diese Vorgehensweise dient dazu, eine einseitige Fixierung auf das unflexible und teure Verkehrsmittel Tram durchzusetzen, ohne zukunftsgerichtete Alternativen ernsthaft zu prüfen. Damit werden die Basler Steuerzahlenden mit massiven Folgekosten belastet, während der Nutzen für die städtische Bevölkerung und das lokale Gewerbe gering bleibt. Die LDP fordert das BVD auf endlich einen verbindlichen, transparenten Gesamtplan für die Basler Mobilität vorzulegen.